Nofretete
Kunst, Schönheit, Wissenschaft, Historie
Nofretete ist kein Name, sondern ein altägyptischer Satz, der besagte:
„Die schöne Frau ist gekommen”. Sie war eine Prinzessin aus dem fernen indogermanischen Königreich Mitanni, sie wurde die Gattin von Pharao Amenophis IV.
Nofretete kam nicht allein nach Ägypten – wie bei Prinzessinnen üblich, nahm sie Lieblingszofen, Musiker, Heilkundige, Astronomen mit.
Sie brachte den Monotheismus nach Ägypten - damit begann ein kultischer Umbruch, allerdings von nur kurzer Dauer in Ägypten. Aber durch Moses mit unglaublichen langfristigen Auswirkungen! Sie brachte auch das heliozentrische Weltbild nach Ägypten. Der Sonnengesang ihres Gatten Echnaton und der Psalm 104 sind auffällig ähnlich. Darauf hat der berühmte Heidelberger Ägyptologe Jan Assmann hingewiesen. Professor Assmann baut dabei auf die religionswissenschaftlichen Studien von Sigmund Freud auf.
Pharao Amenophis IV. wurde Monotheist und ein Verehrer der Sonne (Aton), er gab sich den Namen Echn’Aton – heutige Schreibweise in einem Wort: Echnaton.
Echnaton
Eine neue Hauptstadt (Achet’Aton) wurde gar eigens errichtet!
Aton war ein internationaler Gott, er liebte alle Völker - da ja die Sonne für alle Völker scheint.
Der Gott Aton wurde als Sonne dargestellt.
Zur krank wirkenden Bildhauerkunst in Achet’Aton muß folgende These aufgezeigt werden: danach seien etwa der Schmerbauch und die breiten Hüften des jungen Pharao und die Schädeldeformation der Nofretete keine naturalistische oder karikaturhaft übertriebene Darstellung von körperlichen Anomalien gewesen, sondern hieroglyphenwertige Messages, so wie ja auch der Widderkopf des Gottes Chnum keineswegs ein Hinweis auf eine organische Mißbildung war, sondern eine symbolische, versteckte Message für weit fortgeschrittene Hieroglyphenkundige einer bestimmten Tempelschule.
Echnaton wollte Vater und Mutter für seine Untertanen sein, er wollte sich nicht auf eine religiöse männliche Rolle festlegen.
Joseph II.
Ein umstrittener Monarch.
Er hatte viele Freunde und (freilich nur versteckte) Feinde. Er führte viele Reformen ein, dieses Programm wurde später als „Josephinismus“ bezeichnet. Manches wurde nach seinem Tode beibehalten, manches wurde rückgängig gemacht.
Es kam zur inneren politischen Spaltung des Hauses Habsburg in zwei Linien: die Josephinische Linie und die nach Kaiser Franz (+ 1835) benannte Franziseische Linie.
Der 1830 geborene Thronfolger bekam den Auftrag, diese beiden Linien wieder zu versöhnen, in die Wiege gelegt; sein Taufname war Franz Joseph
Kaiserin Elisabeth und Graf Andrássy
Ein komplexes politisches Thema, bei dem es nicht um die Romanze eines adeligen Backfisches geht (Elisabeth wurde mit 16 Kaiserin!) sondern um die gefährliche Zwangsmagyarisierung vieler slawischer Gebiete (Slowakei, Kroatien) in Großungarn, wodurch Österreich leider in Konflikt mit dem Zaren kam, der von den österreichischen Slawen als Schutzherr angerufen wurde. Österreich und Russland kamen langsam auf Kriegskurs.
Die Lunte des Weltkriegs wurde in Ungarn gelegt.
Vor der brutalen Zwangsmagyarisierung (plötzlich konnte jemand nur mehr eine Lehre besuchen, wenn er die ungarischsprachige Hauptschule absolviert hatte) waren Rußland und Österreich befreundet.
So rücksichtslos nationalistisch wie die Ungarn mit ihrer Magyarisierungspolitik hatten sich die Österreicher gegenüber den Slawen (etwa in Prag oder Brünn) nie benommen – slowakische oder kroatische Familien standen nun in Ungarn vor der Wahl, ihre Söhne in die ungarische Volks- und dann Hauptschule zu geben, oder ihren Söhnen zuzumuten, Hilfsarbeiter (Erntehelfer) zu werden.
Nun gab es aber aufgrund der Zwangsmagyarisierung einen Konfliktherd zwischen Österreich und Rußland.
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Hier in diesem Kapitel "Historie" wollen wir auch näher auf die Geschichte unserer Verbindung eingehen:
Die Geschichte der Raetia
Die Geschichte des Wiener Akademischen Corps Raetia zu schreiben, ist sehr interessant, aber teilweise schwierig, da alte maschingeschriebene Blätter stellenweise vergilbten und manche Namen leider schwer zu entziffern sind, da auch die Anschlagstärke beim Schreiben stellenweise sehr schwach war.
Unser Corps wurde am 22.5.1912 als "Deutsche wissenschaftliche Vereinigung Raetia" gegründet, die aus der "Lese- und Redehalle deutscher Studenten in Wien" hervorgegangen war.
Es waren 9 Gründungsburschen. Da alles Burschen waren, gab es bei der Gründung noch kein Fuchsenband.
Die Farben des Burschenbandes waren altgold - pfauenblau - elfenbeinweiß
Dazu pfauenblaue Samtkappen und zwar Schlappmützen, im Sommersemester fakultativ weiße Seidenstürmer.
Die Raetia entwickelte sich bis zum Kriegsausbruch gut, sie hatte zu Beginn des SS 1914
10 aktive Burschen, 2 Brandfüchse sowie 8 Füchse.
Es wurde auf strengste Einhaltung der Formen geachtet.
Zum Couleur wurde die Couleurblume getragen: die Raeternelke war eine rosa Nelke mit orange Streifen. Zu Stiftungsfesten und anderen festlichen Kneipen war für alle Raeter, welche nicht in Wichs waren, der Frack strenge Vorschrift.
Die Raetia hatte damals, um ihren Namen "Deutsche wissenschaftliche Vereinigung" zu rechtfertigen, es allen ihren aktiven Mitgliedern zur Pflicht gemacht, einmal im Semester einen Vortrag zu halten, der nicht aus ihrem Studienfach entnommen war.
Dieser erfolgreiche Ausbau der Raetia wurde durch den Ausbruch des Weltkrieges unterbrochen.
Am 7. August 1914 fand die Abschlußkneipe für die zu den Waffen gerufenen Raeter, gleichzeitig als Bekenntnis der Raetia zum bedrängten Vaterland und zu den schwarz-gelben Farben statt.
Ein Treuetelegramm wurde an den Kaiser abgesandt und die feierliche Zeremonie des Landesvaters bildete den Abschluß der Kneipe.
Auf dieser Abschlußkneipe wurde beschlossen, die Raetia trotz Kriegsausbruch nicht zu suspendieren, sondern mit allen Mitteln zu trachten, sie als aktive Corporation zu halten.
So wurden alte Herren reaktiviert - und Soldaten (Studenten) die auf Fronturlaub in Wien waren nahmen an den Kneipen und dem sonstigen Verbindungsgeschehen (Convente) teil. Auch waren einige Soldaten (Studenten) in der wiener Garnison stationiert. Es gelang tatsächlich, die Verbindung vor der Suspendierung zu retten und der Betrieb konnte während des ganzen Krieges aktiv gehalten werden.
1918 wurde der Name in "Wiener akademisches Corps Raetia" geändert.
Zu dieser Zeit begannen Raeter, den Kontakt mit befreundeten Märkern zu intensivieren und immer mehr zu institutionalisieren - es mußte die Form eingehalten werden, damals herrschten strenge Sitten auf der Universität und bei den Korporationen gab (und gibt) es genau festgelegte Grußformeln - und bald kam es zum offiziell beschlossenen Grußcomment zwischen den beiden Korporationen. Nun arbeiteten Mitglieder von zwei akademischen Corps zusammen.
Die Märker stellten ihren a.CB Ludwig zur Verfügung, um Raetia zu ermöglichen, ein perfektes Corps unter Beachtung aller Facetten der ausgeklügelten Tradition zu werden; eine sehr alte Tradition - die Tradition der Akademischen Corps - wurde von Raetia recipiert. Diesem Märker wurde für diese seine Tätigkeit dann unser Band verliehen.
Raeter und Märker gründeten dann 1920 den Wiener Senioren Convent. Der Name bedeutet, daß die Senioren (Obmänner) der beiden Verbindungen einen Convent bildeten.
Für alle interessierten Leser, die es nicht wissen: "Senioren" waren Mitte Zwanzig !
1926 trat auch das Corps Franconia dem Wiener Senioren Convent bei.
Die folgenden Jahre brachten dem Corps Raetia die corpsstudentischen Prinzipien zur maßgeblichen Entwicklung. Diese uralten corpsstudentischen Prinzipien aus der Zeit des Josephinismus forderten Abkehr von allen politischen Parteien (da es zur Zeit der Entstehung der Corps zu Zeiten Friedrichs des Großen beziehungsweise des österreichischen Josephinismus keine Parteien gab; die Corpsidee ist älter als die viel später gegründeten politischen Parteien) und wünschte die Freiheit der Universitäten und der Studenten von jedweder parteipolitischer Abhängigkeit und jedwedem religiösem Zwang auf Forschung und Lehre.
Dies in klarer Abgrenzung zu der später (nach 1815) gegründeten Burschenschaft mit ihren politischen Ideen und dem nach 1848 gegründeten CV mit seinen religiösen Zielen.
Corps wollten die reine Forschung ohne Einfluß durch Religion oder Politik.
Ein hehrer Gedanke - man denke an das alte Sezierverbot der Kirche, das durch die alten Universitäten überwunden wurde oder man denke an Präferenzen bei Bestellung von Professoren durch die Politik. Ein ewiger Kampf von Forschung und Lehre um Unabhängigkeit - immer wenn man glaubt gewonnen zu haben, kommt ein neuer Angriff aus bislang unbekannter Richtung.
Raetia erzog und erzieht ihre Studenten seit Beginn zu absoluter Ehrenhaftigkeit sowie zu Verantwortungsbewußtsein. Dies läßt sich nicht mit kurzen Worten beschreiben - ein jahrelanger Prozeß der Erziehung!
Schon bei der Aufnahme werden strenge Kriterien angelegt - dann die zweisemestrige Fuchsenzeit und dann die Burschenprüfung. Daneben sieht der Student laufend das Vorbild der Chargen und anderer aktiver Burschen und Alter Herren, er lernt sehr bald Verantwortung zu übernehmen und vor einer Corona frei zu reden.
Die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg war die Goldene Zeit der Raetia (und eigentlich aller Studentenverbindungen)
Der Krieg kündigte sich schon bald an. Der Spanische Bürgerkrieg (der erste echte Stellvertreterkrieg zwischen Militärmächten und der erste Bewegungskrieg mit schnellen Panzern und Kampfflugzeugen) warf seit 1936 seinen Schatten voraus.
1938 wurden sämtliche Studentenverbindungen (vom katholischen CV bis zu den Burschenschaften) aufgelöst, da der totalitäre Staat keine Studentenvereine neben dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund duldete.
Raetia schuf das Amt des Ehrenseniors - es war ein Einmannbetrieb
Der Ehrensenior Dr. Norbert Bettelheim sammelte nach dem Krieg in mühsamer Arbeit die Adressen vieler Raeter, von denen einige die Adressen von weiteren Raetern wußten - und so kam es am 10. April 1946 zur Wiedergründung zumindest des Corps-Philister Verbandes, und 1948 kam es dann zum Wiederaufleben eines regelmäßigen Couleurbetriebes.
Die Universitäten
Altes Ägypten
In Tempeln und Palästen existierten Häuser des Lebens (Per Ankh)
Dort wurde Schrift (Hieroglyphen, später Hieratisch), Medizin, Astronomie und Religion gelehrt.
Die „Hof- und Tempelschulen“ dienten vor allem der Ausbildung von Priestern (oft in Personalunion mit Ärzten) und höheren Beamten
Eine Trennung nach Fakultäten war noch nicht bekannt, es wurden Universalgelehrte herangebildet, es gab noch keine Spezialisierung im heutigen Sinn.
Selbstverständlich war der Zugang erblich. Ein Tischlersohn wurde automatisch Tischler, ein Aufstieg in die Beamtenschaft war nicht möglich, ebensowenig wie ein Abstieg zum Feldarbeiter
Es war eine statische Gesellschaft mit all ihren Nachteilen und Vorteilen.
Antikes Griechenland
Jahrtausende später reisten junge griechische Studenten nach Ägypten um zu studieren:
- Thales von Milet (ca. 624–546 v. Chr.)
Einer der „Sieben Weisen“
Thales reiste nach Ägypten, um Geometrie und Astronomie zu studieren
Ihm wird zugeschrieben, geometrische Sätze von den Ägyptern übernommen zu haben (z. B. Berechnung der Pyramidenhöhe anhand des Schattens)
- Pythagoras (ca. 570–510 v. Chr.)
Er verbrachte viele Jahre in Ägypten, wo er sich von Priestern in Mathematik, Astronomie und religiösen Lehren unterrichten ließ
Es flossen ägyptische und auch babylonische Einflüsse in seine berühmte Schule ein
- Platon (427–347 v. Chr.)
Er reiste nach Ägypten (um 390 v. Chr.), um dort das Wissen der Priester kennenzu-lernen.
Manche antike Quellen (z. B. Strabon) berichten von seinem Aufenthalt
- Herodot (ca. 484–425 v. Chr.)
Der „Vater der Geschichtsschreibung“.
Er bereiste Ägypten und beschrieb ausführlich das Land, seine Bräuche und Religion.
Es war kein institutionalisiertes „Studium“ im heutigen Sinn, zumindest ist keine schriftliche Studienordnung und kein schriftliches Vorlesungsverzeichnis davon erhalten, aber intensive Beobachtung und Bericht. Ein sehr individuell aufgebautes Studium, keine Massenuniversität
Später entstanden dann im antiken Griechenland die Philosophenschulen:
phílos (φίλος) = Freund / Liebe. sophía (σοφία) = Weisheit, wörtlich: „Liebe zur Weisheit“
- Platonische Akademie (gegründet ca. 387 v. Chr. in Athen)
- Aristoteles’ Lykeion (ab 335 v. Chr.), eine Mischung aus Forschungsstätte und Lehranstalt. [Von hier stammt der frz, Begriff des Lycée]
- Stoische Schule, Epikureische Schule u. a.
Lehrinhalte: Philosophie, Rhetorik, Mathematik, Naturwissenschaften
Auch hier war der Zugang auf die Nachkommen der Gründer der Hochkultur beschränkt, also erblich.
Römisches Reich
- Rom übernahm das griechische Bildungssystem.
- Es gab Rhetorenschulen und Ausbildungsstätten für Juristen
- In Alexandria (unter römischer Herrschaft) blühte die Bibliothek von Alexandria als Forschungszentrum
- Institutionen wie die Athener Philosophenschulen bestanden weiter.
- Spätantike: Gründung von Hochschulen für Rhetorik und Philosophie in Städten wie Konstantinopel, Beirut (berühmt für Rechtswissenschaft) und Alexandria
Nach dem Verfall des Weströmischen Reiches nach der Absetzung des letzten Kaisers
Romulus Augustulus im Jahre 476 n. Chr. zerfiel die politische Macht und die
Verwaltungsstrukturen brachen zusammen. Die Folge war die Entstehung von germanischen Königreichen auf dem ehemaligen römischen Gebiet.
Bildung wurde nun ausschließlich in religiösen Institutionen vermittelt.
In der Christenheit waren dies die Klöster, im Judentum die Jeschiwot und in der Arabischen Welt die großen Moscheen
Etwa Ende des 9. Jahrhunderts bis Beginn des 10. Jahrhunderts gründeten die Langobarden- und Normannenkönige in Salerno (Kampanien) die älteste medizinische Hochschule Europas. Diese sehr südliche Hafenstadt im Mittelmeer war erstaunlich international - mit dem Schwerpunkt Medizin, Chirurgie und Pharmazie, stark von griechischer, römischer, arabischer und jüdischer Medizin beeinflusst.
Da ausschließlich auf Medizin fokussiert - es bestanden keine anderen Fakultäten - handelte es sich noch um keine "Universität" im heutigen Sinn; heute würde man "medizinische Fachhochschule" dazu sagen, falls eine solche Schule erlaubt wäre.
Die Universität von Salerno gilt als die älteste medizinische Hochschule Europas und hatte großen internationalen Ruf.
Lehrbücher aus Salerno wie die Regimen Sanitatis Salernitanum wurden in ganz Europa verbreitet
Die Universität von Salerno entstand vor den „klassischen“ Universitäten wie Bologna oder Paris, sie war wie gesagt eben speziell auf Medizin fokussiert.
Zu erwähnen ist neben der erstaunlichen Internationalität auch die religiöse Toleranz in dieser medizinischen Institution - Christen, Juden, Korangläubige unterrichteten dort unter den Normannenkönigen, und auch Frauen durften dort studieren. Die Arabische Medizin brachte orientalische Heilpflanzen ins Christenland, insbesondere das Opium sei erwähnt - das einzige Narkosemittel damals, wenn Amputationen erforderlich waren. Es wurden in Salerno sogar Leichen seziert - allerdings lediglich Leichen von geköpften Piraten. Auch hier war Salerno seiner Zeit um Jahrhunderte voraus.
Jedenfalls war Salerno drei Jahrhunderte lang die führende Bildungsinstitution für Mediziner. In der Zeit der Kreuzzüge war Salerno ein begehrtes Lazarett für verwundete oder erkrankte Kreuzritter, Amputationen konnten hier schmerzlos durchgeführt werden und so manche Tropenkrankheit konnte geheilt werden, allerdings waren nun jüdische und arabische Mediziner als Lehrer nicht mehr beliebt und Frauen wurden aus dem Medizinstudium gedrängt.
Salerno stand nun nicht mehr unter der Schirmherrschaft von Normannenkönigen sondern wurde allmählich zu einer kirchlich dominierten Universität und an Universi-täten wie Bologna, Padua oder Neapel angepasst. Allmählich wurden heidnische Schriften von Hippokrates und Galen verdrängt, die Arabische und die Jüdische Medizin ebenso, und die Frauen wurden nicht mehr zum Studium zugelassen, das Sezieren von Leichen wurde au religiösen Gründen verboten, es wurde an Tierkörpern gelehrt. Selbstverständlich hat das Rind genauso eine Leber wie der Mensch, beim Magen war das jedoch bereits differentierter. Wie dem auch sei, Salerno verlor im 14. Jahrhundert seine Sonderstellung. Nun studierte man Medizin vorzugsweise in Bologna, Padua und Neapel wo das sezieren von menschlichen Leichen von Haus aus verboten war. Egal. ob menschliche Leichen oder Tierkörper seziert wurden - das Vorhandensein des Blutkreislauf wurde erst 1628 entdeckt - womit die moderne, die eigentliche Medizin ihren Anfang nahm.
Die Wiederentdeckung des Römischen Rechts
Nach dem Verfall des Weströmischen Reiches nach der Absetzung des letzten Kaisers
Romulus Augustulus im Jahre 476 n. Chr. existierte kein geschriebenes Recht mehr.
Doch im 6. Jahrhundert erfolgte die Wiederentdeckung des Corpus Iuris Civilis von Kaiser Justinian, der in Konstantinopel über das Oströmische Reich regierte.
Die Texte wurden allerdings in Westrom, und zwar in Pisa, Ravenna und vor allem Bologna studiert.
1088 wurde die Universität Bologna gegründet, sie wurde zum Zentrum des Studiums des Römischen Rechts. Gelehrte (die Glossatoren) begannen, die Texte systematisch zu kommentieren und zu unterrichten.
Vom 12.–13. Jahrhundert kam es zur Verbreitung des römischen Rechts an Universitäten in ganz Europa (z. B. Oxford, Montpellier, Paris). Kriegsuntaugliche Grafensöhne zogen nun in Massen zu den Universitäten, um das Römische Recht zu studieren, das allmählich in ganz Europa rezipiert wurde. Die Studentenbewegung entstand. In jeder Universitätsstadt bildeten sich Landsmannschaften.
Dies waren Interessensvertretungen mit einheitlicher Muttersprache, so nach Art des ÖAMTC. Sie halfen bei der Herbergssuche und handelten faire Mieten aus und machten Studienberatung für die Neuankömmlinge. Selbstverständlich ging der deutsche Student zur deutschen Landsmannschaft, der englische Student zur englischen Landsmannschaft, der französische Student zur französischen Landsmannschaft usw.
Mit der großen Zahl der Studenten stieg die Wohnungsnot und Studenten gründeten vermehrt unter der Patronanz eines höheren Semesters oder gar Professors eine Burse. Dies waren Wohngemeinschaften. Der Angehörige einer Burse wurde Bursche genannt.
Diese Bursen erforderten Regeln, eine Hausordnung oder Statuten. Die Rechte der Mitglieder wurden definiert und festgeschrieben. Die die Burse leitenden
höheren Semester oder gar Professoren hatten höhere Rechte als die Neuankömmlinge, die sich erst zu assimilieren hatten. Bald formierte sich aber dazwischen eine Mittelschicht. So entstanden die drei Stufen: Fuchs, Busch, Alter Herr
Wie auch beim neu entstehenden Heer Soldat, Unteroffizier, Offizier
Diese Dreiteilung hatte sich offenbar bewährt und findet sich auch in der Freimaurerei: Lehrling, Geselle, Meister
Und in der Marine gibt es ebenfalls diese 3 Stufen: Matrose, Bootsmann, Schiffsoffizier
Auch in den Zünften der Handwerker bildeten sich diese drei hierarchischen Stufen heraus: Lehrling, Geselle, Meister
Die Bursen waren somit Spiegelbild der Welt. Die Studenten erhielten das Privileg, Waffen zu tragen. Dies war zur Erreichung des weit entfernten Studienorts erforderlich: Wölfe, Bären, Räuber erforderten Bewaffnung der zum
Studienort wandernden Studenten. Auch marschierte man im Konvoi, das heißt man schloss sich zu Marschpaketen zusammen. So konnte man sicher durch die Wälder gelangen. Fechten wurde trainiert und war so selbstverständlich wie heute der Führerschein. Theologiestudenten führten keine Waffen und schlossen sich als Nichtkombattanten so einem Konvoi an.
Der Weg zur Universitätsreife war mühsam. Es gab noch keine Matura. Erforderlich war im Wesentlichen die Kenntnis der Muttersprache in Wort und Schrift sowie Latein, gelernt wurde mittels Privatlehrer (Studenten) oder an einer Klosterschule. In dem Moment wo der Schüler mit Latein begann, wurde er als studiosus bezeichnet, davon stammt dann die deutsche Bezeichnung Student. Häufig wurde man damals mit 12 Jahren zu den Studenten gerechnet. Die Trennung zwischen Schüler und Student war halt früher als heute, eine Frage der sprachlichen Konvention.
Gymnasien entstanden erst nach dem Napoleonischen Zeitalter.
Ein interessantes Detail am Rande: bis 1918 hatten österreichische Gymnasien nur 7 Klassen. In der 7. Klasse maturierte man! Und der Maturant war vom zweijährigen Militärdienst befreit, da viel zu schade. Außer er meldete sich freiwillig als Einjährig Freiwilliger. Als EF wurde er aber auch Reserveoffizier.
In Frankreich heißt die Matura Baccalaureat, der Maturant war also Baccalaureus, Bachelor
Die Grenzen wurden fortlaufend verschoben, Bologna schuf 1999 mit Bachelor einen vom Status her unterbewerteten Hochschultitel, Bachelor heißt englisch Junggeselle
Wie man auf die Idee kam, einen ca. 22-jährigen Hochschüler nach der ersten Staatsprüfung so zu bezeichnen, ist unklar.
Die Schulen und die Hochschulen waren schon immer im Brennpunkt des Interesses der Politik
Gerade deshalb schlossen sich Studenten (meist Alter 12+) zu Körperschaften, Korporationen, Corps, Burschenschaften, Landsmannschaften, Vereinen, Hochschülerschaften, Cartellen und Kartellen zusammen - die Bezeichnungen wechselten immer wieder, der Sinn war aber, den Stand der Studenten gegen Zugriffe von außen abzuschirmen. Dies war beachtlich zu einer Zeit, als es noch keine Vereine geben durfte. So operierten diese Gruppierungen immer am Rande der Legalität gegen Politik und oft zu starke religiöse Einmischung und bildeten einen harten Kern von geheimen Conventen mit ihren Conventsgeheimissen. In Wahrheit ein Schutzbund gegen äußere - universitätsferne - oder sagen wir bildungsferne Kräfte
Der Mittelschüler Kartellverband MKV war bis 1918 illegal, da man erst als Volljähriger einem Verein beitreten durfte. Flog so eine Mittelschüler-Studentenverbindung auf, wurden die Studenten des Gymnasiums verwiesen. In einer Provinzstadt mit einem einzigen Gymnasium das Todesurteil! Denn Schülerheime oder Busverbindungen gab es nicht. Daher stammt übrigens der extrem exklusive Charakter der Verbindungen des MKV - eine verschworene Gemeinschaft mit Burscheneid (Schwur) mit Conventsgeheimnis, Tarnnamen ("Biernamen") und fester Hierarchie.
Sie hatten dies von den Hochschulverbindungen vor 1848 übernommen, die ja vor 1848 ebenso am Rande der Legalität operierten
Eine Zeit lang war keine Gefahr für Mitglieder einer Studentenverbindung - seien es Gymnasiasten oder Hochschüler - aber seit einigen Jahrzehnten ist es wieder zunehmend gefährlich geworden, mit Band und Deckel nächtens einzeln auf der Straße zu gehen oder das Gymnasium oder die Universität zu betreten. Von Raufereien bis zu Benachteiligung bei Prüfungen
Betroffen sind sämtliche Korporationen: deutschnationale Burschenschaften, CV, MKV, Corps, Landsmannschaften - alle
Die 600-Jahr Feier der Universität Wien wurde 1965 noch würdig mit einer großen Prozession aller Studentenverbindungen auf der Wiener Ringstraße gefeiert. Die 650-Jahr Feier der Universität Wien 2015 konnte jedoch nicht mehr in diesem festlichen Rahmen in der Öffentlichkeit begangen werden. Und standen vor nicht allzu langer Zeit noch Studentenverbindungen in Festtracht ("Vollwichs") bei Sponsionen und Promotionen Spalier, so ist das neuerdings verboten. Die Zeichen der Zeit sollte man erkennen!
Allerdings schweißt dies die Gemeinschaft zusammen. Verbindungen wurden kleiner und bestehen nunmehr nur aus einem harten Kern
Die Geselligkeit
Ein Corps ist ein Brunnen der Geselligkeit. Ein Universitätsprofessor zog in seiner Jugend, als er noch Studiosus war, die Parallele zu Auerbachs Keller
Schwer in Worten zu beschreiben, man muss das erleben.
Ein Ort des geselligen Beisammenseins, der Studentenkultur, dem auch nicht alternde "Alte Herren" angehören, ein Ort voller Tradition und Atmosphäre. Was ist ein "Alter Herr" oder "Philister" ? Beides wird oft synonym verwendet, gemeint ist ein Student, der Akademiker wurde oder eben eine Lebensstellung (zB B-Beamter, wie etwa Berufsoffizier des Bundesheers, der Polizei, der Wiener Feuerwehr) erreicht hat.
Zuvor gibt es aber noch die Zwischenstufe des inaktiven Corpsburschen iaCB
Dieser ist noch kein Philister, aber von der - ohnehin nie besonders streng gehandhabten - Anwesenheitspflicht befreit, um sich voll auf den Studienabschluss vorzubereiten.
Woher stammt eigentlich die auf Außenstehende seltsam wirkende Bezeichnung "Philister" ?
Bekanntlich waren die Philister ein in der Bibel erwähntes Volk, anscheinend war um 1820 - als sich all die heute bestehenden Gebräuche samt den zugehörigen Bezeichnungen der Studentenschaft herauskristallisierten - der Universitätsabsolvent ein Schreckgespenst für die Studentenschaft, Inbegriff des Kompromisslers und Opportunisten. Aus dem Revoluzzer war ein Spießbürger, ein Herr Kommissär geworden, der bald Oberkommissär und dann behäbiger Rat wurde, dann Oberrat und letztlich - sofern er in einer Zentralstelle untergekommen war - als Krönung kurz vor der Versetzung in den dauernden Ruhestand Hofrat
Der revolutionäre Elan ging mit dem Universitätsabschluss und dem darauffolgenden Eintritt in den Stand des akademischen Berufes fast immer verloren, da gibt es unterhaltsame Karikaturen aus damaliger Zeit!
Dennoch verlor der Philister nicht seinen universitären Geist, er wurde ein Bürgerlicher, ein Bourgeois, aber ein kritischer Bürgerlicher
Keineswegs ein unkritischer Kompromissler und Opportunist. Dass ein Mann mit 25 Jahren nicht mehr so hitzköpfig ist wie ein 17- oder 20-Jähriger, liegt in der Natur der Sache. Interessanterweise altern Philister nicht so schnell wie ihre Gleichaltrigen. Ein 50-jähriger Philister sieht aus wie ein 35-Jähriger. Diese erstaunliche Entdeckung der fehlenden 15 Jahre wird allzu oft gemacht! Wahrscheinlich ist es die ständige geistige Beschäftigung, die laufende Diskussion mit jüngeren Semestern, die den Alterungsprozess verlangsamt. Ein ewiger Student geblieben.
Ständige Diskussionen im Corps zu allen möglichen Themen - meist wissenschaftliche und politische Themen - schärfen laufend den Geist. Aus einem schüchternen Erstsemestrigen wird automatisch ein Redner der vor einer Versammlung sprechen kann und seinen Standpunkt darzulegen gewohnt ist.
Das berühmte studentische Kartenspiel Quodlibet ist ein interessanter Zeitvertreib, mehr Gesellschaftsspiel als bloß Kartenspiel. Es ist vollkommen egal, wer gewinnt - das Spiel ist die Hauptsache. Allerdings wird es seit Jahrzehnten kaum mehr gespielt, da viel zu zeitaufwendig - das dauert einen ganzen Nachmittag lang. Wäre schön, wenn wir einmal einen Studenten finden würden, der das gerne erlernen will, um die Tradition weiterzugeben. Eine große Kunst. Dabei werden lustige Rituale aus 1820 zelebriert und zotige Lieder gesungen. Wenn vier Leute ein Quodlibet spielen, ist jeweils einer eine Runde lang der Bierkönig, dann der Nachbar usw bis jeder einmal Bierkönig war.
In den USA ist an den Universitäten das Kartenspiel "Zoom-Schwartz-Figliana" bekannt.
Ein vereinfachtes Quodlibet, das 1848 durch geflüchtete „Forty-Eighters“ in die USA kam.
Kneipen, gelegentlich Kommerse, Schoppen (Stammtische) und Convente sind jedenfalls der Kern eines Corps.
Kneipen laufen sehr formalisiert ab. Uraltes Reglement, damit trotz Bierkonsums das gute Benehmen gewahrt bleibt! Es werden auch Lieder gesungen, Reden und Bierschwefel (Kurzreden) gehalten und allerlei spontan wirkende, aber geregelte und eigentlich harmlose Belustigungen eingefügt.
Die Stammtische dienen dem regelmäßigen Treffen und Austausch der Meinungen.
Die Convente sind Parlamente. Hier wird demokratisch entschieden.
Kommerse sind besonders feierliche Kneipen wo die Chargen Vollwichs (uralte Paradeuniform der Studenten aus der Zeit um 1820) tragen, sie finden nur mehr selten statt - etwa zu runden Stiftungsfesten einer Korporation (runde Geburtstage der Verbindungen alle zehn Jahre).
An der Montanuniversität Leoben wird der uralte Ledersprung von den Studenten praktiziert. Dieser Brauch, der auf die uralte Zunft der Bergleute zurückgeht, fördert das Gemeinschaftsgefühl unter den Studenten und ist ein Ausdruck der Verbundenheit mit der Bergbau- und Hüttentradition. Er wird nicht nur von den Studenten, sondern auch von Absolventen, Professoren und den Verwandten der Studenten als kulturelles Ereignis geschätzt.
Dieser uralte Brauch ist viel mehr als nur ein Ritual; er ist ein lebendiges Stück Kulturgeschichte, das die Werte von Tradition, Gemeinschaft und Zugehörigkeit hochhält. Für die Studenten an der Montanuniversität Leoben stellt er einen unvergesslichen Höhepunkt ihrer Studentenzeit dar.
Der Vollständigkeit halber seien die Ruderschaften der Universitäten Oxford und Cambridge erwähnt. Eine jährliche Ruderregatta zwischen den Mannschaften der jeweiligen Universitäten findet vor zahlreichem Publikum statt und so mancher englische Richter hat an der Rückwand seines Büros das in den Farben seiner Studentenverbindung bemalte Ruder hängen.